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21. November 2025Wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Gründung eines Museums vorbereiten
Bamberg/Hallstadt Wer kennt es nicht: das Sams mit seinen Wünschpunkten im Gesicht und seinen wilden Ideen. Kinder und viele Erwachsene lieben die bekannteste Figur des Bamberger Autors und Illustrators Paul Maar. Diesem wird nun ein Museum in Hallstadt gewidmet, das in einigen Jahren eröffnet werden soll.
Doch bevor es so weit ist, ist noch viel zu tun. Denn alle Ausstellungsstücke müssen geordnet und katalogisiert werden. Als Grundstock für das Museum hat Paul Maar der Stadt Hallstadt einen sogenannten „Vorlass“ gegeben. „Ein Vorlass wird, anders als der Nachlass, schon zu Lebzeiten weitergegeben“, erklärt die Bamberger Ethnologin Heidrun Alzheimer. Die emeritierte Professorin der Universität Bamberg ist auch die Projektleiterin für die Sichtung und Ordnung der Schätze. Gemeinsam mit einer Gruppe von Master-Studierenden hat sie sich all die Dinge, von denen Paul Maar sich getrennt hat, angesehen und sie einsortiert. Oder „inventarisiert“, wie sie als Expertin sagt.
„Wir haben fast 5000 Objekte inventarisiert, von der Postkarte bis zur handgenähten Puppe“, erklärt Heidrun Alzheimer.

Ein sorgfältiger Umgang mit den Objekten ist sehr wichtig
Sie als Projektleiterin hat die Arbeit sogar ehrenamtlich übernommen. Damit die Objekte auch professionell behandelt werden konnten, hatte Alzheimer an der Bamberger Uni für mehrere Wochen eine richtige Inventarisierungswerkstatt eingerichtet. „Es ist wichtig, mit den Objekten sehr vorsichtig umzugehen. Dafür tragen wir zum Beispiel spezielle Handschuhe, um Zeichenblätter oder wertvolle Einzelstücke anzufassen und keine Fett- oder Hautspuren zu hinterlassen.“
Insgesamt hat die Aktion rund ein halbes Jahr gedauert. „Das klingt erst einmal nach einer langen Zeit, aber eine Inventarisation ist die Grundlagenarbeit schlechthin, sowohl in der Wissenschaft als auch, wie hier, für konservatorische Zwecke.“ Schlicht gesagt: Wer seine Objekte nicht vernünftig inventarisiert, wird sich schwertun, sie wiederzufinden. Oder aber, gerade bei Bildern und Zeichnungen, nicht wissen, wie viele Tage die Objekte schon dem Sonnenlicht und damit schädlicher UV-Strahlung ausgesetzt waren. Alle wichtigen Infos zu einem Objekt werden sorgfältig in eine Datenbank eingepflegt. Dort kann man dann nachsehen, wie alt das Objekt ist, oder auch, wem es gehört. Die meisten Objekte gehören mittlerweile dem Hallstadter Museum.
„Wir haben die Objekte inventarisiert und Fragen zu den Objekten gesammelt. Damit sind wir zu Paul Maar gegangen und immer mit neuen Objekten und noch mehr Kisten zurückgekommen“, so Alzheimer. An die Besuche bei Paul Maar denkt sie und ihr Team gerne zurück, sie waren jederzeit willkommen, sagt sie. „Manchmal waren wir auch ganz erstaunt, was er uns noch alles mitgegeben hat, da waren auch Hochzeitsfotos und Urlaubsfotos darunter.“
„Paul Maar hat immer und überall gezeichnet“
Beeindruckend fand Alzheimer: „Paul Maar hat immer und überall gezeichnet, zum Beispiel auf Papiertischtücher, beispielsweise eine Dame, deren Kleid zur Tischdecke wird. Von solchen Zeichnungen haben wir viele entdeckt.“ Noch etwas gehört zur Inventarisierung: Jedes Objekt erhält eine eigene Nummer. Danach kommen alle Objekte in spezielle säurefreie Kartons, um möglichst lange erhalten zu bleiben.
Und welche Objekte finden sich nun genau im Archiv? Da gibt es neben Grafiken und Fotografien natürlich viele Bücher, auch internationale Ausgaben, beispielsweise auf Arabisch oder Chinesisch. „Bei manchen Aufgaben wir uns schwergetan, herauszufinden, in welcher Sprache sie überhaupt verfasst wurden“, erzählt Alzheimer. Es sind aber auch viele Zeitungsartikel, wie Berichte über Preisverleihungen und Lesungen, Interviews mit Paul Maar, Rezensionen und Theaterkritiken dabei. Außerdem finden sich Manuskripte in jeglicher Form, handschriftlich, getippt, redigiert oder lektoriert. Weitere Objekte im Fundus: Drehbücher, Filmrequisiten, Plakate und Briefe an und von Paul Maar.
„Ein besonders schönes Stück ist eine handgenähte Sams-Puppe, die hat Nele Maar, Paul Maars Ehefrau angefertigt. Sie hatten die Puppe bei Paul Maars erstem Auftritt auf der Buchmesse dabei. Da baumelte sie am Stand des Verlags in einer Hängematte“, weiß Alzheimer. Die Puppe ist auch ihr persönliches Lieblingsstück. Schön findet sie aber auch, dass so viele Skizzen und Notizen zu finden sind. Und Fanpost. „Fanpost und Kinderbilder, vor allem natürlich Sams-Bilder, hat Paul Maar wirklich kistenweise aufgehoben. Es ist unglaublich zu sehen, wie sehr die Menschen das Sams lieben.“
Text: Karoline Keßler-Wirth
Pics: Heidrun Alzheimer, Tobias Dorn, Scans Archiv Paul Maar


