Geplantes ReFood-Werk in Walsdorf sorgt für Unverständnis

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Plakat am Gartenzaun gegen den Bau des ReFood-Werks

Walsdorf Am Dienstag, den 30. März, veranstaltete die Gemeinde Walsdorf eine virtuelle Bürgerversammlung zur geplanten Ansiedelung der Firma ReFood in Hetzentännig. Seit der Veröffentlichung des Vorhabens herrscht bei den Bürgern Unstimmigkeit.

Im Herbst letzten Jahres stellte die Lebensmittelentsorgungsfirma ReFood eine Bauanfrage an das Walsdorfer Rathaus. Die Gemeinde zeigte sich interessiert und suchte nach einer möglichen Fläche für den Neubau. Nach einer Besichtigung des Firmenstandortes in Limbach bei Eltmann Anfang des Jahres war der Gemeinderat überzeugt. „Unser Eindruck von ReFood war sehr positiv, jedoch war es für uns von Anfang an wichtig, die Bürger in den Entscheidungsprozess einzubinden“, betont der Walsdorfer Bürgermeister Mario Wolff in der Bürgerkonferenz. Mitte März informierte die Gemeinde ihre Anwohner im Amtsblatt über die geplante Umsiedlung des Limbacher Werks nach Hetzentännig, neben die Tierkörperbeseitigung Nordbayern. Die öffentliche Begeisterung hielt sich jedoch in Grenzen. Mit großen Plakaten an ihren Gartenzäunen machen seitdem zahlreiche Einwohner der Gemeinde Walsdorf und Bischberg auf Probleme, die mit der Ansiedelung von ReFood verbunden sein könnten, aufmerksam. Mit der Bürgerkonferenz wollte der Bürgermeister gemeinsam mit dem ReFood-Geschäftsführer Dr. Marten Keil die Bedenken der Anwohner klären und die Absichten der Gemeinde offenlegen.

Die Firma ReFood gehört zur Rethmann Gruppe und hat in Deutschland mehr als 20 Standorte. Ihr Ziel ist es, aus organischen Abfällen von Lebensmittelmärkten, Bäckereien und der Gastronomie Rohstoffe für Biodiesel und organischen Dünger sowie Energiegewinnung herzustellen. Im geplanten Werk in Walsdorf sollen diese Lebensmittelreste angeliefert und in einem ersten Schritt zu einer Masse aufbereitet werden, sodass sie im Thüringer Werk Schwallungen weiterverarbeitet werden können.

Aufgrund täglicher Anlieferungen der Abfallprodukte mit insgesamt 15 LKWs befürchten die Anwohner ein zunehmendes Verkehrsaufkommen. Durch den offengelegten Fünf-Jahres-Plan von ReFood würde sich diese Zahl verdoppeln, was „für die Anwohner nicht mehr tragbar wäre“, so die Gemeinderätin Margrit Kalb aus Bischberg. Auch der entstehende Lärm und Geruch wird von der neugegründeten Bürgerinitiative „Walsdorf, hier leb´ ich noch gern“ als problematisch angesehen. Von den geplanten Filteranlagen, der Abwassersammlung und den Flüsterreifen der LKWs, die der Geschäftsführer des Konzerns als Lösungsversuch für die Bedenken anführte, zeigten sich die Anwohner unbeeindruckt. In den anschließenden Wortmeldungen der Bürger wurde das Vorhaben als „überstürzt“ betitelt, das aufgrund der aktuellen Corona-Krise „zum falschen Zeitpunkt“ besprochen werde.

Bevor Mario Wolff die Bürgerkonferenz beendete, appellierte er an die Teilnehmer sein Dilemma zu verstehen. „Unsere Gemeinde soll nicht um jeden Preis wachsen, wodurch unsere Ressourcen verschwendet werden, aber den Bürgern der Gemeinde soll auch etwas geboten werden“, betont er. Neben den Arbeitsplätzen, die mit dem Wachstum von ReFood geschaffen werden könnten, sieht er auch die steigende Finanzkraft der Gemeinde durch Steuereinnahmen als Pluspunkt.

Ob im Winter dieses Jahres mit dem Bau des neuen Standortes von ReFood begonnen werden kann oder ob die Bedenken der Anwohner das Vorhaben der Gemeinde stoppen, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Wie dem Stimmungsbild der Sitzung zu entnehmen war, werden auf Mario Wolff und den Walsdorfer Gemeinderat noch einige Hürden zukommen. Es bleibt spannend!

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