„Ein ganzes Leben“

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Robert Seethaler liest aus seinem Werk

Die Geschichte geht gleich düster los: Andreas Egger, Hauptfigur des Romans „Ein ganzes Leben“ des österreichischen Schriftstellers Robert Seethaler, ist zu Fuß in den Bergen unterwegs durch den Schnee, als er einen alten Ziegenhirten, den Hörnerhannes, findet. Er sammelt ihn auf, und trägt ihn eine Zeitlang in einer Kraxe auf seinem Rücken, möchte ihn ins Tal bringen, um ihm zu helfen. Der Hörnerhannes entwischt ihm aber. Eindrucksvoll schildert Seethaler, wie die dünne, alte Gestalt in der Weite der verschneiten Landschaft verschwindet.

Schauriges und Schönes erlebt Andreas Egger im Laufe seines Lebens. Er ist beispielsweise dabei, als ein Holzarbeiter seinen Arm verliert und hilft sogar, den Arm zu begraben. Die Liebe trifft ihn unvermittelt, als eine Falte der Bluse der neuen Bedienung Marie im Gasthaus seinen Arm streift. Mit ihr, seiner großen Liebe unternimmt er lange Spaziergänge und plant eine gemeinsame Zukunft. Aus diesen Plänen wird nichts, trotzdem ist Andreas Egger im Alter ein durchaus zufriedener Mann, obwohl oder vielleicht gerade weil sein Start ins Leben alles andere als einfach war.

Mit seiner ruhigen Stimme führt Seethaler durch die Geschichte, eine Geschichte, die unheimlich dicht erzählt ist. Kein Wort sei zu viel, hatte der Bamberger Schriftsteller Nevfel Cumart in der Einführung über Seethalers Roman gesagt – er sollte Recht behalten. Seethaler, dessen literarisches Werk vielfach ausgezeichnet wurde, und der unter anderem für den Booker-Prize nominiert war, hat auch in Bamberg sehr viele Fans. Dies spiegelte sich wider im lange anhaltenden Applaus der Besucher im voll besetzten Hegelsaal der Konzert- und Kongresshalle ebenso wie in der langen Schlange am Büchertisch nach dem Ende der Lesung.

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