Levi Strauss und die Geschichte der Jeans

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Rotes Fähnchen als Markenzeichen der Levi´s Jeans

Buttenheim Am Samstag, den 20. März, organisierte die VHS Bamberg in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Museum Levi Strauss Geburtshaus e. V. und AGIL Bamberg eine Online-Führung durch die Gemäuer des Buttenheimer Museums. Ein paar Dutzend Teilnehmer aus ganz Deutschland folgten gespannt Dr. Jost Lohmann durch das Geburtshaus von Levi Strauss und der Entstehung der Levi´s Jeans.

Lohmann unterstreicht, dass die Idee zum Online-Angebot bereits vor der Corona-Pandemie im Raum gestanden war. „Das Haus ist sehr beengt, weshalb wir immer wieder Platzprobleme mit größeren Gruppen hatten“, gibt Lohmann zu, „mit den virtuellen Führungen erhält jeder Besucher ohne Gedrängel einen Blick auf die Ausstellungstücke“. Ebenso ist die Entwicklung der Jeans ein zeitloses Thema, dass in ganz Deutschland auf Interesse stößt. So bekommen auch Schulklassen aus Hamburg oder Hannover einen Eindruck vom Leben und Wirken Levi Strauss´.

Das Geburtshaus

Erst in den 80er-Jahren wurde bekannt, dass Levi Strauss bis zu seinem 17. Lebensjahr in Buttenheim gelebt hat. Mithilfe von Urkunden aus dem Bamberger Archiv konnte das Geburtshaus des Jeans-Erfinders ausfindig gemacht werden. Zu diesem Zeitpunkt war das Gebäude jedoch in einem sehr schlechten Zustand und stand kurz vor dem Abriss. Der Markt Buttenheim zögerte nicht lange und rettete die historischen Gemäuer. Nach einer intensiven Restaurierung wurde im Jahr 2000 das Museum Levi Strauss eröffnet.

Familie Strauss

Ein großes Portrait des Hausherrn befindet sich am Eingang des Rundgangs. 1829 als Löb Strauss geboren, lebte er mit seinen Eltern und seinen sechs Geschwistern in Buttenheim. Sein Vater war, wie viele Juden auf dem Land zu dieser Zeit, als Hausierer tätig. „Das kann man sich heute als das Amazon des 19. Jahrhunderts vorstellen. Die Kaufleute sind von Dorf zu Dorf gezogen und haben Kurzwaren an die Einwohner verkauft.“, erklärt Lohmann. Nach dem Tod des Vaters fasst seine Mutter den Entschluss dem Vorbild der beiden älteren Brüder Levi Strauss´ zu folgen und nach Amerika auszuwandern, wo Löb sich schließlich zu Levi umbenennt.

Die Ausreise

Um im 19. Jahrhundert auswandern zu können, musste eine Genehmigung eingeholt werden, die eine Bearbeitung von bis zu einem Jahr haben konnte. Als die Familie Strauss diese erhalten hatte, folgte ein zweiwöchige Reise nach Bremen. Viele Auswanderer mussten diesen Weg zu Fuß zurücklegen, andere konnten ihr Hab und Gut mithilfe einer Kutsche transportieren. Dort angekommen konnte im besten Fall gleich an Bord gegangen werden. Ließ der nächste Dreimaster nach Amerika auf sich warten, mussten die Auswanderer die restliche Zeit „überbrücken, unter den Brücken“, betont Lohmann. Während der mehrwöchigen Überreise auf dem Meer befanden sich die Reisenden mit der Mannschaft und den Vorräten unter Deck. Um die Härte der Schifffahrt zu symbolisieren, wird im Museum ein Video mit riesigen Wellen des Atlantiks gezeigt.

New York

Endlich im Hafen von New York angekommen, mussten die Neu-Amerikaner in Quarantäne. Darauf folgten ärztliche Untersuchungen, die im schlimmsten Fall mit den Worten „ihr müsst zurück“ endeten, bekennt Lohmann. Diese Hürde überstanden, konnte die Familie bei den beiden älteren Brüder von Levi unterkommen. Diese hatten sich in New York mit einem Textilgroßhandel eine Existenz aufgebaut. Auf deren Erfolg sollte sich Levi jedoch nicht ausruhen. Nach dem Motto „Go West“ ging er nach San Francisco und folgte dem Vorbild seiner Brüder mit einem Geschäft für Kurzwaren und Textilien.

San Francisco

Während des kalifornischen Goldrauschs in den Anfängen der 1850er-Jahre suchten dort viele Goldgräber ihr Glück. Für sie hatte Levi Alltagsgegenstände, wie Hacke und Schaufel im Angebot. Bis er auf die Idee einer strapazierfähigen Hose zum Goldgraben kam. „Damit trifft Levi in Schwarze“, bekräftigt Lohmann. Zusammen mit dem Schneider Jacob Davis produziert er die erste Jeans aus dem Baumwollstoff Denim.  Um die Naht der Jeans zu stärken, die bis dahin als Schwachstelle der Hose galt, verwenden sie Nieten. Diesen Einfall lassen sie sich patentieren und er zählt heute, neben dem Lederpatch mit dem Logo und dem roten Levi´s-Fähnchen als Markenzeichen der Hose.

Geschickt erweitert Levi seine Zielgruppe. Von den Goldgräbern, zu den Reitern und Farmern steigert er in wenigen Jahre seine Produktion bis er letztendlich 800 Mitarbeiter beschäftigt. Mit 73 Jahren stirbt Levi Strauss 1902 zufrieden und mit einem Lächeln im Gesicht, wie ein Bild im Museum bestätigt. Da er weder verheiratet war noch eigene Kinder hatte, haben zwei seiner Neffen die Firma übernommen. Das bedeutete aber noch lange nicht das Ende der Jeans.

Die Erfolge der Jeans

Nach den goldenen Zwanzigern folgte die Weltwirtschaftskrise. Viele haben ihre Arbeit verloren und auch die wohlhabendere Schicht hatte darunter zu leiden. Anstatt der großen Europa-Reise machten sie Urlaub im eigenen Land und brachten als Souvenir die Jeans aus dem wilden Westen mit nach Hause.

Auch der Sieg der Amerikaner im Weltkrieg spielte Levi´s in die Karten. Die stationierten Soldaten trugen in ihrer Freizeit die Jeans mit dem roten Fähnchen. Die „Hose des Siegers“, wie sie Lohmann betitelte, galt als cool und wurde zum Protestmittel der Jugend.

Im Lauf der Zeit sicherte sich Levi´s immer neue Käuferschichten und reagierte beispielsweise mit den „Flower-Power“-Motiven auf den aktuellen Geschmack seiner Kunden. Heute setzt die Marke auf mehr Vielfalt und Diversität, wobei sie wieder einmal den Zeitgeist trifft. Wie Dr. Jost Lohmann zu Beginn der Führung betonte, ist und bleibt die Jeans ein aktuelles Thema, dass die Massen begeistert.

Die Ausstellung mit vielen Unikaten und dem „blauen Raum“ kann aktuell mit Voranmeldung besucht werden. Weitere Informationen zum Museum finden sie hier!

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